Leistungen

zurück zu Elementarschadensanierung

Hochwasser 2013 in Deutschland -

Ein Fall für die svt Sanierung

Wer erinnert sich nicht an das Hochwasser 2013, dass uns drei Wochen im Juni in Atem hielt? Vor allem für die Betroffenen in den Gebieten längs der Donau und Elbe war die Zeit mit Bangen und Hoffen verbunden.

Für viele nördlich gelegenen Städte und Gemeinden kam es zu einem positiven Ausgang. In Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt hingegen, entstand durch das Hochwasser erheblicher Sachschaden. Der entstandene Gesamtschaden in den Flutgebieten wird auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Ganze Landstriche wurden überschwemmt und Hunderte von Menschen mussten evakuiert werden. Schlimmer als die Evakuierung war für viele die Rückkehr nach der Entwarnung. Ihr Hab und Gut war trotz vorbeugender Maßnahmen Opfer des Wassers und Schlamms geworden.

Ein Bild des Schreckens, das für die erfahrenen Projektleiter der svt bekannt, aber dennoch immer wieder gewöhnungsbedürftig ist. „Es ist nicht das erste, aber das schlimmste Hochwasser, das wir erleben“, weiß Herr Reiner Dobbermann, Niederlassungsleiter der svt Brandsanierung GmbH Dresden zu berichten, der schon 2002 routiniert die Aufräum- und Sanierungsarbeiten seitens svt begleitet hat. „Für die Betroffenen ist es natürlich immer ein Schock und in diesem Moment nicht vorstellbar, dass Sie nach entsprechenden Sanierungsmaßnahmen wieder in Ihre gewohnte Umgebung zurückkehren können.“

Projektleiter Jörg Klaffenbach war im Juni im Notfallteam in Dresden im Einsatz. Aufgrund der hohen Anzahl zu erwartender Schäden wurden von den Versicherern in Zusammenarbeit mit Sanierungsfirmen solche Notfallteams ins Leben gerufen. Besonders hart trifft es die Menschen, für die aufgrund ihrer Wohnsituation in den hochwassergefährdeten Gebieten keine Elementarschadenversicherung möglich ist.

Zunächst gilt es nicht zu verzweifeln, es besteht sehr oft die Möglichkeit, über Spenden und Förderprogramme eine Sanierung zu erhalten. Für nähere Informationen ist es ratsam sich bei den zuständigen Behörden zu informieren. In dieser besonderen Situation haben die einzelnen Bundesländer „Hochwasser Soforthilfen“ beschlossen, um  Bürgern, die keine Versicherungsleistungen erhalten, bei Schäden an Häusern und Wohnungen finanzielle Hilfe zu geben.

Für Gewerbetreibende besteht eine weitere Möglichkeit der finanziellen Hilfe in den aufgelegten Förderprogrammen der KfW-Bank.

Es ist kurz nach 9 Uhr und das Telefon von Jörg Klaffenbach klingelt erneut. Ein weiterer Sanierungsfall, ein weiteres Schicksal. „Manchmal ist es hart mitzuerleben, wie Existenzen vor dem Aus stehen.“, bezieht sich der Projektleiter, der seit über 20 Jahren Erfahrung in der svt Schadensanierung hat, auf das eben geführte Telefonat mit einem Geschäftsmann, der seinen kleinen Laden durch die Fluten verloren hat. „Andererseits ist es ein schönes Gefühl, den Menschen helfen zu können, ihnen ein Stück Normalität zurückzugeben.“ 

Im südöstlichen Hochwassergebiet rund um Dresden sind derzeit ca. 300 Schadenfälle bei svt gemeldet worden, und dabei handelt es sich nur um die Hochwasserschäden im privaten und gewerblichen Bereich. Hinzu kommt die Wiederherstellung der gesamten Infrastruktur. Allein die Sanierung der Schäden an Häusern, Wohnungen und Gewerbegebäuden wird sich bis in den späten Herbst hinziehen.

Neben den persönlichen Schicksalen ist der durch das Hochwasser bedingte materielle Schaden enorm.
Trotz rechtzeitiger Vorwarnung und entsprechend veranlasster Maßnahmen sind aufgrund der stark ausgeweiteten überfluteten Flächen hohe Schäden entstanden.

„Viele Leute sind hilflos, da niemand mit solchen Ausmaßen jemals konfrontiert war.“ - Das Hochwasser aus der Sicht eines betroffenen svt Mitarbeiters.

Die tagelangen Regenfälle waren nicht nur der Auslöser der Flut, sondern erschwerten auch die Deichbefestigungen und weitere Schutzmaßnahmen. Viele Deiche waren angesichts der enormen Wassermengen völlig durchgeweicht und so kam es zu dem von vielen befürchteten Bruch eines Deiches bei Fischbeck. In wenigen Stunden wurde ein weites Areal überflutet. In dem ca. zwei Kilometer entfernten Schönhausen erreichte das Wasser seinen Höchststand innerhalb von sechs Stunden und machte die Ortschaft  zu einer Insel. Häuser, die im Überschwemmungsbereich lagen, standen innen und außen vollständig im Wasser, teilweise bis zu einer Höhe von 2 m.

 

Ein ortsansässiger svt Mitarbeiter schildert seine Eindrücke:

„Am 10.06.2013 ca. 1:00 Uhr erfolgte der Deichbruch bei Fischbeck. Zu diesem Zeitpunkt war ein Schaden nicht mehr abzuwenden!“

„Die Evakuierung erfolgte absolut unkoordiniert, da in unserem Ort die Menschen einfach nicht darauf vorbereitet wurden. Ein Teil der Menschen entschloss sich daher, zivilen Ungehorsam zu leisten, im Ort zu bleiben und zu retten, was zu retten geht. Hier entwickelte sich in diesem Zeitraum eine Gemeinschaft, in der jeder mit jedem alles teilte,...“

Eine Situation, die sich überall in den vom Hochwasser betroffenen Gebieten wieder fand. In diesen Stunden sind Nachbarn zusammengerückt, Freundschaften zwischen Betroffenen und Helfern entstanden.

„Ich war nach dem Deichbruch erst einmal ziemlich durch den Wind. Nachdem ich meine Familie in der Nacht um 1:30 Uhr
nach Tangermünde gebracht hatte, entschloss ich mich, ebenfalls zurück zu kehren, da ich nicht wusste wie hoch dass Wasser kommt und wie weit ich dann betroffen bin und wie es überhaupt weitergeht. Das letzte Hochwasser hatte der Ort schließlich 1847.“



Der Bruch eines Deiches stellt eine besondere Situation dar. Zum einen fließen durch den Bruch in relativ kurzer Zeit enorme Mengen Wasser ab, zum anderen haben die Behörden kaum Zeit, die Bevölkerung zu warnen bzw. zu evakuieren.
Die Durchführung von gebäudesichernden Maßnahmen ist nahezu unmöglich.

Bei einem vorhergesagten Hochwasser bestehen andere Möglichkeiten, vorbereitend sein Hab und Gut zu sichern.

„Die ganze Situation muss man erst “verdauen“, bevor einem bewusst wird bzw. bis man registriert hat, was überhaupt richtig passiert ist.“

„Während meiner Woche auf der „Insel Schönhausen“ war ich auch bei verschiedenen Familien, um Ihnen zu helfen, einige Sachen aus den überfluteten Häusern zu holen.
Man kann sich nicht vorstellen, was das Wasser für eine Gewalt hat. Hier wurden Tore, Fenster, Türen einfach eingedrückt und weggespült.“

Wasser kann bei entsprechender Fließgeschwindigkeit enorme Kräfte freisetzen. Türen, Fenster, sogar Mauern können bei diesen Gewalten vollständig zerstört werden. In den meisten Fällen der vom Hochwasser verursachten Zerstörungen sind jedoch mitgeführtes Bruchholz und andere sperrige Gegenstände verantwortlich. Ein weiterer Grund besteht in dem Staudruck des Wassers. Bei steigenden Pegeln vergrößert sich mit zunehmender Wassermenge die Belastung auf Gebäudeteile.

 

„Dann sieht man erwachsene Männer mit  über den Kopf geschlagen Händen sitzen und die Tränen laufen.
Wie soll man sich da fühlen?“
Ein sensibler Umgang mit Betroffenen ist für unsere Projektleiter ein grundlegender Bestandteil ihrer Arbeit. Das Ziel der Sanierung ist es, den Menschen ein Stück gewohntes Lebensumfeld, soweit dies möglich ist, zurückzugeben, auch wenn es nicht immer leicht fällt, die eigenen Gefühle außen vor zu lassen.

„Nach dem Rückgang vom Wasser bin ich mit meinen Kollegen nun ständig in diesen Gebieten unterwegs, um Schäden aufzunehmen und abzuarbeiten.“

Bei  einem Hochwasser kommt es in der Regel vor, dass Keller nicht oder unzureichend geschützter Häuser voll laufen. Die dort vorhandene Heizungen und Tanks werden durch den Auftrieb aufgeschwemmt, losgerissen und können umstürzen.  Auch Kanalisationen, Klärwerke und Industriegelände sind bei diesem Ereignis häufig betroffen. Resultierend können Fäkalien, Heizöl und verschiedenste chemische Stoffe in unbekannter Menge und zum Teil gesundheitsgefährdender Konzentration ausgeschwemmt werden. Gerade diese Unwägbarkeiten sorgen in den meisten Fällen dafür, dass eine vollständige Entkernung notwendig wird.

Ablauf einer Wasserschadensanierung

Nach Eintritt des Schadenereignisses meldet der Versicherungsnehmer (VN) den Schaden seiner Versicherung (VG) und der svt.           
Die svt leitet die Sofortmaßnahmen ein, vorausgesetzt, der Schadensort ist freigegeben (z.B. durch Feuerwehr oder Polizei). Die Sofortmaßnahmen sind individuell abhängig von dem jeweiligen Schaden.
Die Versicherung stellt einen Schadenregulierer, der  je nach Umfang des Schadens einen Sachverständigen zur Begutachtung dazu beruft. Die svt nimmt bereits zu diesem Zeitpunkt aktiv an der Schadenermittlung teil. Der Sachverständige erstellt ein Sanierungskonzept. Dieses Konzept bildet die Grundlage für ein Angebot mit ausführlichem Leistungsverzeichnis durch die svt.
Der Sachverständige prüft Art und Umfang der angebotenen Sanierungsmaßnahmen. Nach Rückmeldung an den Schadenregulierer wird das Angebot freigegeben. Der Versicherungsnehmer beauftragt die Sanierungsleistung. Die svt initiiert die einzelnen Maßnahmen und koordiniert die Gewerke. Dabei kommunizieren wir eng mit dem Versicherungsnehmer, Sachverständigen und dem Schadenregulierer. Nach Beendigung der fachgerechten Sanierung erfolgt der Abnahmetermin und die Schlussrechnung.

Hochwasserschäden stellen aufgrund der Kontamination eine besondere Situation dar. Das verschmutzte Wasser dringt tief in nicht versiegelte Bauteiloberflächen ein. Durch die langen Standzeiten des Wassers kann es dann natürlich auch zu mi- krobiellen und chemischen Belastungen führen. Der erste Schritt in der Wasserschadensanierung ist die technische Trocknung. Bei Elementarschäden wie z.B. Hochwasser ist in vielen Fällen neben der Trocknung eine Desinfektion respektive Abtragung der betroffenen Bauteile bzw. Werkstoffe erforderlich. Inwieweit eine Abtragung der Oberflächen durchzuführen ist, hängt von unterschiedlichsten Faktoren ab und wird im Rahmen der Schadenbegutachtung festgelegt. Es kommt auch immer wieder vor, dass die noch vorhandenen Wassermengen erst einmal abgepumpt werden müssen, bevor eine präzise Begutachtung des Schadens auch unter Zuhilfenahme eines Statikers möglich ist. Nicht nur Bauteiloberflächen, sondern gerade auch Möbel, elektrische Geräte und Kleidung sind aufgrund des verunreinigten Wassers in den meisten Fällen nicht zu retten. Die anschließende Sanierung umfasst, je nach Auftrag bzw. Versicherungsleistung, alle Bereiche.

Was kann man vor einem eventuellen Schaden tun?

Wenn bekannt wird, dass es zu einem Hochwasserereignis kommt, sollte man neben seinen wichtigsten persönlichen Sachen auch die relevanten Dokumente griffbereit haben.
Generell gilt, dass der Versicherte eine Mitwirkungspflicht hat, den entstehenden Schaden so gering wie möglich zu halten. Das bedeutet z.B., dass Einrichtungsgegenstände, wenn möglich, vor Beschädigung durch eindringendes Wasser geschützt werden müssen. Häuser und Wohnungen sind, sofern möglich, mit entsprechenden Maßnahmen wie beispielsweise einer Wasserbarriere aus Sandsäcken gegen eindringendes Wasser zu sichern. Neben der Schadenminderung durch die erwähnten Maßnahmen bleibt dann meistens nur das Warten und die Hoffnung, keinen Schaden zu erleiden.

Was ist zu tun bei Schadeneintritt?

Zunächst, wenn es auch nicht leicht fällt, ist es wichtig einen klaren Kopf zu bewahren. Sofern eine Elementarschadenversicherung besteht, unbedingt umgehend ihre Versicherung informieren. Wenn Sie evakuiert wurden ist es zunächst ausreichend, nach Rückkehr den Schaden telefonisch zu melden. Die meisten Versicherer richten in solchen Fällen eine Hotline für Ihre Kunden ein.
Dokumentieren Sie die Schäden mit Bildern oder per Video und fragen Sie bei Ihrem Versicherer vor einer Entsorgung von Einrichtungsgegenständen nach einer Freigabe. Viele Versicherer behalten sich das Recht der Begutachtung vor.

Bei bestehender Elementarschadenversicherung werden in der Regel, zumindest teilweise, die Kosten für Aufräum- und Entsorgungsarbeiten übernommen.

Selbstorganisierte Aufräumarbeiten

Wenn man selber die Aufräumarbeiten übernimmt, sollte man unbedingt einige Punkte beachten:
• Steht noch Restwasser im Gebäude, so ist vor dem Betreten sicherzustellen, dass die elektrische Versorgung ausgeschaltet ist. Unbedingt einen Fachmann die Spannungsfreiheit feststellen lassen.


• Unbedingt die Stabilität des Gebäudes beachten. Ist es eventuell unterspült oder sind statisch relevante Bauteile beschädigt.


• Sind die ersten Punkte erledigt, kann mit dem Abpumpen begonnen werden. Man sollte unbedingt den Hautkontakt mit dem verunreinigten Wasser vermeiden. Essen, Trinken und Rauchen im Arbeitsbereich sollte auf jeden Fall vermieden werden. Die Schutzkleidung ist anschließend zu desinfizieren bzw. fachgerecht zu entsorgen.


• Betroffene Einrichtungsgegenstände (Möbel, Kleidung, elektrische Geräte, etc.) sollten fachgerecht entsorgt werden. Einige Gemeinden stellen entsprechende Container bereit. Informationen sind bei der zuständigen Verwaltung erhältlich.

 

Wie entstehen Hochwasser

Fließgewässer

Hochwasser  entstehen in Fließgewässern durch einen erhöhten Zufluss, z.B. durch Schneeschmelze und/oder Niederschläge (Frühjahrshochwasser) oder durch starke Niederschläge (Sommerhochwasser). Bei Winterhochwassern steigt der Pegel eher langsam an und fällt langsam ab.  Bei Sommerhochwassern ergeben sich hohe Wassermengen mit einem schnellen Abfluss.

Ein neuralgischer Punkt sind die Gebiete, in denen mehrere Hochwasser führende Gewässer aufeinander treffen.

In beiden Fällen kann es zu erheblichen Schäden durch Überflutung kommen.

Frühjahrshochwasser

Beim Frühjahrshochwasser treffen mehrere Faktoren aufeinander. Neben der einsetzenden Schneeschmelze können Niederschläge die Pegel schnell ansteigen lassen. Der Grund hierfür ist der zum Teil noch gefrorene Boden, der starke Niederschlagsmengen nicht aufnehmen bzw. ableiten kann. Das Oberflächenwasser gelangt so nahezu unvermindert in die Fließgewässer.

Sommerhochwasser

Beim Sommerhochwasser sorgen starke Niederschläge für erhöhte Pegelstände. Der Grund für einen verstärkten Zufluss von Oberflächenwasser kann ausgetrockneter Boden sein, der nur geringe Wassermengen aufnehmen bzw. ableiten kann oder bei länger anhaltenden Niederschlägen ein bis zur Sättigung durchfeuchteter Boden.

 

 

Info

Das Hochwasser in Zahlen

Höchste Pegelstände1(Mittlerer Pegel)
Elbe bei Dresden877 cm(210 cm)
Elbe bei Magdeburg747 cm(221 cm)
Elbe bei Bleckede1186 cm(727 cm)
Donau bei Passau1290 cm(499 cm)
Inn bei Passau1020 cm(225 cm)
Inn bei Rosenheim314 cm(169 cm)

 

 

Anzahl der gemeldeten Schäden2

Nach einer ersten Bilanz der Versicherungswirtschaft sind 180.000 versicherte Schäden mit einem Gesamtvolumen von fast 2 Milliarden Euro entstanden.

Kosten3

Nach den Schätzungen des Bundesministeriums der Finanzen ist ein Gesamtschaden von ca. 8 Milliarden Euro entstanden.


Quellenangaben:

1
www.pegelonline.wsv.de
2 Erste Schadensbilanz GDV
3 Pressemitteilung Nr. 58 des Bundesministeriums der Finanzen